Bildungsurlaub
„Erlebnisorientiertes Kompetenz Training“
Die moderne Luftfahrt hat das Fliegen sicherer und effizienter gemacht, doch mit dem technischen Fortschritt treten manuelle Fertigkeiten und gemeinschaftliche Erfahrung zunehmend in den Hintergrund.
Besonders bei Privat-, Berufs- u. Verkehrspiloten*, die oft nur kurzzeitig manuell steuern, kann dies zu einem schleichenden Kompetenzverlust führen. Dieser Trend birgt nicht nur sicherheitsrelevante Herausforderungen, sondern entfremdet Piloten auch vom ursprünglichen Menschheitstraum des Fliegens.
Um diesem entgegenzuwirken, wurde der Kurs „Erlebnisorientiertes Kompetenztraining“ aus dem Hochleistungssport entwickelt und für Berufs- u. Verkehrspiloten geöffnet.
Vom Liniencockpit zurück zu den Wurzeln des Fliegens.
Unsere Kurse richten sich an Berufs- und Verkehrspiloten, die ihr fliegerisches Wissen und ihre Entscheidungsfähigkeit im Umfeld der Allgemeinen Luftfahrt erweitern oder vertiefen möchten. Abhängig von Erfahrung und individuellen Zielen der Teilnehmer stehen drei Programme zur Auswahl: A (BASIC), B (TEAM) und C (SAFETY). A / B / C
Die Programme A, B und C können sowohl einzeln als auch – je nach Teilnehmerstruktur – flexibel kombiniert durchgeführt werden. Jedes Theorieelement ist so konzipiert, dass es als eigenständiger, hochwertiger Baustein in allen drei Programmen eingesetzt werden kann. Der Mehrwert der Vorträge, ob als Einführungs- oder Vertiefungsveranstaltung zu verstehen ist, bieten allen Teilnehmern gleichermaßen Mehrwert. Die wesentlichen Unterschiede erfahren die Teilnehmer in den Praxisübungen, wenn entsprechend der individuellen Grundlagen kleine Teams / und Übungsruppen durch die Trainer und Fluglehrer zusammen gestellt werden.
Pro Kurstag können die Teilnehmer aus verfügbaren Theorie-Komplexen jeweils zwei Themen (4 LE) aus unterschiedlichen Kompetenzbereichen auswählen, sodass alle vorgesehenen Module abgedeckt und die Anforderungen des Bildungsauftrags vollständig erfüllt werden. Die vorgeschlagene Reihenfolge der Lerneinheiten kann variieren bzw. durch thematisch passende Vorträge der Teilnehmer ergänzt werden. Vorgesehen sind mindestens 20 LE Theorie sowie 20 LE Praxis in den 5 Tagen anzubieten.
Ergänzt wird das Theorieangebot durch Fachvorträge von Gastrednern. Die thematische Breite – vom Segelflug in der Platzrunde über den Streckenflug bis hin zum Eigenstart – verdeutlicht den Umfang des zu erlebenden Basissports Segelflug.
Nächstes Seminar: 06.04.-10.04.2025 in Oerlinghausen als Bildungsurlaub anerkannt für die Länder
Rheinland-Pfalz und Niedersachsen!
- Programm (A) / (B)
- Gäste anderer Bundesländer sind herzlich eingeladen
- die Teilnehmergebühren befinden sich noch in finaler Abstimmung mit der Segelflugschule und werden in Kürze hier veröffentlicht
Programm A – BASIC
Das Programm BASIC richtet sich an Berufspilotinnen und Berufspiloten ohne eigene Fluglizenz in der Allgemeinen Luftfahrt, insbesondere im Bereich des Segelflugs. Es bildet erwartungsgemäß den größten Teilnehmeranteil innerhalb der Gesamtmaßnahme und stellt zugleich den zentralen Einstieg in die thematische Welt der Allgemeinen Luftfahrt dar. Viele Berufspiloten verfügen über umfassende Erfahrung in der Verkehrsluftfahrt, haben jedoch nur begrenzte Berührungspunkte mit den Abläufen, Denkweisen und Rahmenbedingungen des Luftsports.
Der Kurs vermittelt eine fundierte technische und operationelle Einführung in den Flugbetrieb der Allgemeinen Luftfahrt und legt dabei einen besonderen Fokus auf Unterschiede, Gemeinsamkeiten und mögliche Synergien zur Verkehrsluftfahrt. Theoretische Grundlagen werden gezielt mit praxisorientierten Einblicken kombiniert, um ein realistisches und nachvollziehbares Verständnis für die Strukturen, Entscheidungsprozesse und Herausforderungen des Luftsports zu schaffen. Dabei wird deutlich, dass sich viele sicherheitsrelevante Aspekte – etwa Situationsbewusstsein, Luftraumbeobachtung und Entscheidungsfindung – trotz unterschiedlicher Rahmenbedingungen ähneln.
Ein wesentlicher Mehrwert des Programms liegt in der Bildung eines wechselseitigen Verständnisses für andere Luftraumnutzer. Segelflieger verfügen häufig über wenig Einblick in die operationellen Anforderungen der Motor- und Verkehrsluftfahrt, während umgekehrt Berufspiloten die Besonderheiten des unmotorisierten Flugbetriebs und dessen Abhängigkeit von Wetter, Thermik und Infrastruktur oftmals unterschätzen. Durch die gezielte Gegenüberstellung dieser Perspektiven trägt das Programm dazu bei, Vorurteile abzubauen und ein gemeinsames Verständnis für die jeweiligen Zwänge und Entscheidungslogiken zu entwickeln.
Damit leistet das Programm BASIC einen unmittelbaren Beitrag zur Erhöhung der Flugsicherheit. Ein besseres Verständnis für andere Luftfahrzeugarten und deren Betriebsweisen fördert eine vorausschauendere Luftraumnutzung, verbessert die Kommunikation und reduziert potenzielle Konfliktsituationen. In diesem Sinne dient der Kurs nicht nur der individuellen Weiterbildung, sondern im besonderen Maße auch der Sicherheit aller Verkehrsteilnehmer im gemeinsamen Luftraum.
Programm B – TEAM
Das Programm TEAM richtet sich an Berufs- und Verkehrspilotinnen und -piloten mit vorhandener Segelfluglizenz, die jedoch über geringe oder unregelmäßige Erfahrung im Strecken- und Leistungssegelflug verfügen. Es baut auf den fliegerischen Grundlagen auf und verlagert den Schwerpunkt gezielt auf zwischenmenschliche, kommunikative und organisatorische Aspekte des Flugbetriebs, die sowohl im sportlichen als auch im beruflichen Kontext von zentraler Bedeutung sind.
Im Mittelpunkt des Programms stehen Teambildung, Kommunikation und Entscheidungsdynamik – sowohl am Boden als auch in der Luft. Die Teilnehmenden fliegen gemeinsam mit erfahrenen Trainerinnen und Trainern im Doppelsitzer oder agieren im Teamflug mit einsitzigen Segelflugzeugen. Durch klar definierte Zielaufgaben, strukturierte Briefings und gezielte A/B-Vergleiche werden unterschiedliche Team- und Entscheidungsstrategien unmittelbar erlebbar gemacht. Die Auswirkungen von Abstimmung, Rollenverteilung und gemeinsamer Planung auf den fliegerischen Erfolg werden so konkret nachvollziehbar.
Ein zentrales Lernziel ist das Verständnis, dass funktionierende Teams der entscheidende Erfolgsfaktor im Wettbewerb sind – sowohl im Leistungssegelflug als auch im beruflichen Umfeld. Die Teilnehmenden werden schrittweise über kleine, klar abgegrenzte Aufgaben an teamorientiertes Handeln herangeführt, ein Ansatz, der in den Leistungskadern des Segelflugs seit Jahrzehnten erfolgreich praktiziert wird. Diese Methodik ermöglicht es, Hemmschwellen abzubauen und Teamarbeit als unterstützenden, leistungssteigernden Faktor zu erleben.
Das Programm legt bewusst Wert darauf, positive gemeinsame Erlebnisse zu schaffen, die nachhaltig in Erinnerung bleiben. Solche Erfolgserfahrungen fördern nicht nur Motivation und Lernbereitschaft, sondern stärken auch den Willen zur Zusammenarbeit und erhöhen die gegenseitige Toleranz innerhalb der Gruppe. Gleichzeitig wird einer ausgeprägten Ellenbogenmentalität entgegengewirkt, indem individuelle Leistung stets im Kontext des Teamziels betrachtet wird.
Die im Programm TEAM vermittelten Inhalte sind unmittelbar auf den beruflichen Alltag übertragbar. Entscheidungsfindung unter Zeitdruck, klare Kommunikation, Vertrauen in Teamstrukturen und der konstruktive Umgang mit unterschiedlichen Perspektiven sind Kompetenzen, die sowohl in Unternehmen als auch im Vereinsleben von zentraler Bedeutung sind. Damit trägt das Programm gleichermaßen zur Stärkung der Teamkultur in Betrieben wie auch zur Weiterentwicklung einer kooperativen Vereinskultur bei.
Programm C – SAFETY
Das Programm SAFETY richtet sich an Berufs- und Verkehrspilotinnen und -piloten mit umfangreicher Segelflugerfahrung, die ihre bestehende Lizenz um eine Eigenstartberechtigung erweitern möchten. Ziel des Programms ist es, die Teilnehmenden umfassend auf die sicherheitsrelevanten Besonderheiten des Betriebs motorgetriebener Luftfahrzeuge in der Allgemeinen Luftfahrt vorzubereiten und sie zu einem eigenverantwortlichen, reflektierten Handeln im erweiterten fliegerischen Aufgabenbereich zu befähigen.
Der Kurs demonstriert die sicherheitsrelevante Vielfalt der Allgemeinen Luftfahrt anhand realer Verfahren, betrieblicher Abläufe und komplexer Szenarien. Nach einer intensiven theoretischen und didaktischen Vorbereitung folgen insgesamt fünf Eigenstarts unter Anleitung eines Fluglehrers sowie fünf Solo-Eigenstarts. Diese praktische Ausbildung wird durch ein umfassendes Notfall- und Verhaltenstraining ergänzt, das auf mindestens zehn ausgewählten Simulator-Fallbeispielen basiert. Dadurch wird ein systematisches und risikobewusstes Vorgehen in kritischen Situationen eingeübt.
Ein besonderer Schwerpunkt des Programms liegt auf den technischen Eigenverantwortlichkeiten in der Allgemeinen Luftfahrt. Anders als im beruflichen Umfeld der Verkehrsluftfahrt sind Pilotinnen und Piloten hier in erheblichem Umfang selbst für technische Wartungs- und Kontrollarbeiten verantwortlich. Dies erfordert ein vertieftes technisches Verständnis sowie die Fähigkeit, technische Zusammenhänge korrekt einzuordnen. Bewusste Wiederholungen technischer Inhalte dienen dazu, teilweise in Vergessenheit geratenes Wissen aufzufrischen, sicherheitsrelevante Routinen zu festigen und den Erfahrungsaustausch innerhalb der Gruppe zu fördern.
Darüber hinaus thematisiert das Programm die grundlegenden Unterschiede im Notfall- und Krisenmanagement zwischen der Allgemeinen Luftfahrt und dem beruflichen Umfeld eines Zwei-Mann-Cockpits, das stark durch standardisierte Verfahren (SOPs) geprägt ist. In der Allgemeinen Luftfahrt ist der Pilot häufig allein für Analyse, Entscheidung und Umsetzung verantwortlich. Ein wesentlicher Bestandteil des Programms ist daher die strukturierte Erkundung der zulässigen Verfahren im Betrieb motorgetriebener Luftfahrzeuge sowie die klare Benennung der luftrechtlich erlaubten Tätigkeiten und Handlungsspielräume.
Zentraler Bestandteil des Programms ist zudem die theoretische Herleitung von Notverfahren und deren konsequentes Training im Simulator. Durch die Verbindung von Theorie, Simulation und praktischer Anwendung wird ein tiefgehendes Verständnis für sicherheitsrelevante Entscheidungsprozesse entwickelt. Ziel ist es, die Teilnehmenden zu befähigen, auch in ungeplanten und komplexen Situationen ruhig, regelkonform und verantwortungsbewusst zu handeln und damit einen nachhaltigen Beitrag zur Flugsicherheit in der Allgemeinen Luftfahrt zu leisten.
Gemeinsames Ziel aller Programme: Wissen, Teamfähigkeit und Handlungssicherheit in sicherheitskritischen Situationen stärken – praxisnah, analytisch und zukunftsorientiert.
Sollte über den gesamten Bildungsurlaubszeitraum wider Erwarten kein Flugwetter herrschen, ist der Kurs so strukturiert, dass täglich bis zu 6 Stunden intensiver Theorieunterricht stattfinden kann.
Der praktische Teil würde in diesem Fall alternativ in einem Segelflugsimulator mit VR-Technologie erfolgen, sodass jeder Teilnehmer garantiert mindestens 1 Stunde Flugzeit bzw. 3 Starts pro Tag – entweder im Flugzeug oder im Simulator – erfahren kann.
Bereich der Weiterbildung: Berufliche Weiterbildung und Persönlichkeitsentwicklung
Die Bildungsmaßnahme konzentriert sich auf die Fähigkeiten der Flugzeugsteuerung und des manuellen Fliegens. Ziel ist es, bislang untrainierte oder in Vergessenheit geratene Fertigkeiten gezielt zu fördern und weiterzuentwickeln.
Zusätzlich vermittelt eine strukturierte Anleitung zum Aufbau und Ablauf eines Flugbetriebstages wertvolle Kompetenzen in Selbstmanagement, Teamführung und Motivation, ergänzt durch ein umfassendes Coaching.
Als Rahmen wird dem gesellschaftspolitischen Aspekt mit einem signifikanten Teil des Kurses Raum geboten, der ein Auseinanderdriften der Generationen verhindern und moderne, neue Angebote gleichermaßen vermitteln soll.
Die hier vermittelten Grundlagen wurden bereits 2023 und 2024 in einwöchigen Praxisseminaren in Oerlinghausen erfolgreich erprobt. Die durchweg positive Resonanz gab den Anstoß, den Kurs nun als offizielles Bildungsurlaubsprogramm auszuweiten.
